Mobbing im Arbeitsrecht

Vortrag: 10. November 2009, Juristische Fakultät, Universität Augsburg

  • Frau Prof. Dr. Martina Benecke

Der Begriff „Mobbing“ stammt ursprünglich aus der Verhaltensforschung. Im Arbeitsrecht tauchte er erst vor etwa zehn Jahren auf, als in Entscheidungen einiger Landesarbeitsgerichte Arbeitnehmern Schadensersatz und Schmerzensgeld zugesprochen und dies mit wiederkehrenden Schikanen am Arbeitsplatz begründet wurde. Seitdem hat sich das Gebiet des Persönlichkeitsrechtsschutzes am Arbeitsplatz rasant entwickelt. Typisch für diese Entwicklung ist ein grundlegender Zwiespalt. So stellen manche die Schutzbedürftigkeit der Betroffenen in den Vordergrund und fordern daher Modifikationen des geltenden Rechts oder gar ein Sonderrecht für Mobbing. Oft vergessen wird dabei, dass jedes Sonderrecht die Gefahr des Misßbrauchs mit sich bringt und dieser in solchen Fällen keineswegs ausgeschlossen ist. Die bestehende Rechtsunsicherheit wurde 2008 durch zwei Grundsatzentscheidungen des BAG gemildert. Noch ganz ungeklärt ist aber, welchen Einfluss das Antidiskriminierungsrecht, umgesetzt im AGG, auf derartige Fälle hat. Mit allen diesen Fragen ist Deutschland nicht alleine; so hat Frankreich ein Gesetz gegen Mobbing verabschiedet, in Italien gitb es aktuelle Urteile. In den USA gibt es dagegen – bislang – praktisch keinen Rechtsschutz.

Martina Benecke ist seit 2007 Professorin für Bürgerliches Recht, Arbeits- und Wirtschaftsrecht an der Universität Augsburg. Seit 2003 forscht sie auf den Gebieten Mobbing, Diskriminierung und Persönlichkeitsrechtsverletzung am Arbeitsplatz. Sie ist Verfasserin der Monographie „Mobbing – Arbeits- und Haftungsrecht“ sowie zahlreicher kürzerer Veröffentlichungen zu diesem Themenbereich.