Der Sonnenwirt, Kohlhaas und andere Fälle - aus literarischer Sicht -

Vortrag: 4. Juli 2001, Rokokosaal der Regierung von Schwaben

  • Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Koopmann (Philosophische Fakultät II der Universität Augsburg)

Kapitalverbrechen sind seit jeher ein bevorzugtes Thema der Literatur. Schillers Sonnenwirt (Der Verbrecher aus verlorener Ehre), der vom Wilderer aus Liebe zum Mörder aus verlorener Ehre und Räuberhauptmann aus Gelegenheit wurde, und Kleists Michael Kohlhaas, dessen Weg vom wohlhabenden Roßhändler zum Räuber, Mörder, Brandstifter und Landfriedensbrecher vom Wunsch beseelt war, sich selbst das ihm anders verweigerte Recht zu verschaffen, und der, als ihm Recht und Genugtuung endlich gewährt wurden, zufrieden und friedlich die Todesstrafe auf sich nahm, stehen insoweit nur exemplarisch für viele, deren Taten für Juristen Anlaß wären, sich einmal durch das ganze Strafgesetzbuch durchzuarbeiten.

Nicht die strafrechtlichen und kriminologischen, auch nicht die staats- und völkerrechtlichen oder gar die zivilrechtlichen Fragestellungen, zu denen die Texte reichliches Material liefern, stehen im Mittelpunkt des Vortrags. Sondern ein Literaturwissenschaftler wird uns einige gerade dem Juristen besonders nahe stehende große Werke der deutschen Literatur aus seiner literaturwissenschaftlichen Perspektive vorstellen.