Detailinformationen zu

Bigamy and polygamy in early Israeli law as a battlefield of culturral defence argumentation

Werkstattgespäch am 16. November 2016


Werkstattgespräch mit:

  • Herr Omer Aloni (Tel-Aviv University)
In seinem Vortrag untersucht Omer Aloni mehrere Fälle von Bigamie in der Frühgeschichte Israels als Schnittstelle zwischen rechtlichen, religiösen und etnokulturellen Überlegungen. Er erörtert diese herausfordernden Testfälle, in denen sich der Oberste Gerichtshof im prägenden Jahrzehnt der 1950er-Jahre mit ebendieser Frage befasst hat. Darüber hinaus untersucht er, wie diese Überlegungen zu einer Konvergenz der sozialen Dimensionen geführt haben: Sowohl unter Juden östlicher Herkunft (Mizrahi) als auch unter- und in vergleichender Perspektive- arabischen Muslimen. Beide Gruppen gaben dem Gericht Einblicke in die Kultur, die Traditionen und die Mentalität des Nahen Ostens. Aloni schlägt vor, die Gerichtsentscheidungen auf eine neue Art zu lesen. Das Bigamiedilemma hat die ehemaligen Herrscher des Landes vereinnahmt: Sowohl das Osmanische Reich als auch das britische Mandat für Palästina. Die Geschichte nahm in den frühen 1950er Jahren eine dramatische Wendung, als der neue Staat Israel die arabischen Gemeinden und eine enorme Zahl jüdischer Neueinwanderer zusammenbrachte, die größtenteils den westlichen rechtspolitischen Traditionen fremd waren, und deren Gründung sich die zionistischen Gründerväter in der ersten Hälfte des Jahres bemühten. Vor diesem Hintergrund dienten das Gesetz und der Gerichtshof zeitweise als Institution und Schmelztiegel, in dem sich dieses neue Rechtssystem, verschiedene Traditionen und unterschiedliche Perspektiven gegenüberstanden. Im Vergleich zu anderen Kollisionspunkten zwischen Ost und West und dem Welt des Rechts ergab sich das Phänomen der Bigamie- wie Aloni argumentiert- an einem einzigartigen Ort, während sich das israelische Rechtssystem im Aufbau befand.